Alex Hanimann

BETTY

«Mit ziemlicher Sicherheit können wir davon ausgehen, dass der Gegenstand der Lektüre nicht hinreichend bestimmbar ist. Und doch lassen uns die frei gesetzten Zeichen nicht in Ruhe. Die Vorstellung oder auch Illusion, es müsse letztlich darum gehen, einen ganzheitlichen, integralen Text herzustellen, ist dem alles bestimmenden Wunsch nach der ultimativen Wahrheit zuzuschreiben. Wir geben uns mit Leerstellen nicht zufrieden. Des Rätsels Lösung scheint hinter einer Oberfläche von Anspielungen und Verweisen verborgen… Mit Akribie und Ausdauer machen wir uns auf die Suche. Sind es Lücken, die es zu füllen gilt? Ergänzungen, die wir machen müssen? Hilft das Verschieben oder Vertauschen einzelner Buchstaben weiter? Haben wir es mit Kürzeln, verschlüsselten Buchstabenkombinationen zu tun? Um die Sache konkreter anzugehen, fantasieren wir munter drauflos. Aber wohin führt planloses Vorgehen? Können uns Zufälle weiterhelfen, auf eine Spur führen? Was lässt sich kombinieren und verbinden? Was grenzen wir ab? Und wo bauen wir Brücken? Logisches Denken und entsprechend systematisches Vorgehen scheinen eher zum Ziel zu führen. Einen Plan aushecken also? Fragen stellen: Was wurde versteckt, was weggelassen? Wo befinden wir uns überhaupt? Und so sind wir denn überzeugt, dass es tatsächlich etwas zu finden gilt, dass es sich hier mit Sicherheit um versteckte oder verschlüsselte Botschaften handeln muss.»
                                Alex Hanimann, aus «Sehen und Lesen»

 

Alex Hanimann (geboren 1955) zählt zu den wichtigsten Schweizer Künstlern der Gegenwart. Die konzeptuelle und spielerische Verwendung von Schrift erinnert an Künstler wie Rémy Zaugg und Christopher Wool und rückt ihn ebenso in die Nähe von grossen Konzeptuellen wie Lawrence Weiner, Joseph Kosuth oder Jan Wallace. Hanimanns Werk wurde in zahlreichen Einzel- und Gruppen- ausstellungen in der Schweiz und im Ausland gezeigt. Er lehrt zudem an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich, ist Mitbegründer der Kunsthalle St. Gallen und war viele Jahre Mitglied der Eidgenössischen Kunstkommission. 2009 zeigte das Aargauer Kunsthaus eine umfassende Ausstellung mit Hanimanns Textarbeiten («Conceptual Games»), begleitet von einer umfangreichen Publikation: «Alex Hanimann. Textarbeiten», hrsg. von Stephan Kunz, Aargauer Kunsthaus / Verlag für moderne Kunst, Aarau/Nürnberg 2009. Jüngste Beteiligungen an Gruppenausstellungen sind «Voiciundessinsuisse 1990–2010» im Musée Rath, Genf (2010), und im Aargauer Kunsthaus Aarau (2011), sowie «Konstellation 3» im Kunstmuseum Thurgau, Kartause Ittingen (2011), und «Merz World», Cabaret Voltaire, Zürich (2011), Mamco (Musée d’art moderne et contemporain), Genf (2012). Seine Arbeit “Vanessa” wurde mit dem ART AND THE CITY-Award der Stadt Zürich 2012 ausgezeichnet.

 


Artist: Alex Hanimann
Title: Betty
Material: Wool, Silk, Nylon
Colour: White, Red, Beige
Size: W 180 x L 236 cm
Edition: 8 + 2 AP